Körperdüfte

Der natürliche Körperduft eines Menschen wird als Informationsquelle innerhalb der nonverbalen Kommunikation genutzt. Die vorbewußte oder bewußte Wahrnehmung von Körpergerüchen und deren Einfluß auf endokrine Zustände gilt heute als erwiesen (Schleidt, 1987).
Körperdüfte gelten in westlichen Kulturen als wenig attraktiv. Allerdings spielt der Körperduft in anderen Kulturen, besonders im Bereich der menschlichen Sexualität, eine wichtige Rolle (Doty, 1981). Der Achselgeruch eines Mannes wird als sexuelle Stimulantie angesehen, als ein Zeichen von Mänlichkeit und als positive sexuelle Botschaft (Eibel-Eibelsfeld, 1984; Labows, 1982).
Männlicher Schweiß wird von beiden menschlichen Geschlechtern eher als unangenehm und aversiv empfunden (Hold et al., 1976).
Körpergeruch kann die Identität einer Person signalisieren und als nur zu dieser Person gehörig erkannt werden. In diesem Zusammenhang nimmt man an, daß der Geruch eher die physische Präsenz signalisiert, statt als sexuelle Attraktantie zu wirken. Durch Lernprozesse kann es zu der Situation kommen, daß einige männliche Gerüche für Frauen attraktiv sind, andere aversiv.
Die Umgebung und die Ernährung haben einen gewissen Einfluß auf die Ausprägung des Körpergeruches. Genetische Faktoren sind vermutlich am Buket des individuellen Körpergeruches beteiligt. Verwandte Personen haben z.B. einen sehr ähnlichen Geruch (Porter et al., 1985).
Auf der Haut des Menschen leben verschiedene Mikroorganismen in unterschiedlichster Zusammensetzung, die den Geruch verändern. Jeder Mensch hat seine spezifische Mikrofauna auf der Haut (Labows, 1982; Nicolaides, 1974). Diese individuellen und sehr spezifischen Gerüche etikettieren Menschen als Mann oder als Frau, sowie als spezifisches, einzigartiges Individuum. Auf der Haut von Männern sind wesentlich mehr Mikroorganismen zu finden, wie auch weitaus höhrere Konzentrationen von Steroiden als bei Frauen. Neben verschiedenen Steroiden werden auch Proteine im Achselsekret gefunden, die in je nach Individuum unterschiedlichen Konzentrationen gefunden werden und auch zum Körperduft einer Person beitragen. Der individuelle Geruch einer Person wird also durch die Genetik, durch die Konzentration von Vorstufen, aus denen die gefundenen Steroide gebildet werden (etwa Testosteron) und dem Wirken von spezifischen Mikroben starkt geprägt. Andere Steroide als die hauptsächlich untersuchten, Androstenon und Androstenol, werden ebenfalls als urinös oder nach Moschus riechend, eingeschätzt. Androstadienon wird als urinös riechend beschrieben und die Geruchsschwelle dieser Substanz liegt wesentlich niedriger als für Androstenon. Es kommt auch in höhrerer Konzentration vor als Androstenon (Beets & Thiemer, 1970; Ohloff et al., 1983). Diese beiden Ergebnisse legen die Vermutung nahe, daß Androstadienon ebenfalls eine wichtige Rolle in der humanen Geruchskommunikation spielen könnte. Bisher wurde diese Substanz in ihrer Wirkung leider nicht getestet. Es ist bisher auch unterblieben, verschiedene Mischungen von im Achselsekret enthaltenen Substanzen zu testen. Dabei wäre es wichtig, zwischen der Wirkung von Steroidmischungen und Proteinmischungen zu differenzieren, die angesichts der Tatsache, daß viele Säugerpheromone und Chemosignale Proteine sind.
Der Geruch von bekannten, vertrauten Personen wird als angenehm eingeschätzt (Schleidt et al., 1988). Der Geruch von fremden Menschen wird als unangenehm erlebt.
Wenn den Geruchsspendern erlaubt wird, Deodorants zu benutzen, ist es anderen Personen nicht mehr möglich, zwischen einem männlichen und einem weiblichen Geruch zu unterscheiden (Schleidt, 1980).
Der Körperduft verändert sich im Verlauf des Menstruationszyklus. Sastry (et al., 1980) und Tonzetich (et al., 1987) konnten dies für den Geruch des Atems nachweisen, Doty (et al., 1975) für Vaginalsekret.

Maiworm, R.E.: Menschliche Geruchskommunikation. Waxmann Münster/New York/München/Berlin, 1993, S. 66f