| Gesprächstherapie
Systemische Therapie
Einzelfälle
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Falldarstellung einer systemischen
Familientherapie
An folgendem Beispiel soll der typische Verlauf einer strategischen Familientherapie geschildert werden. Die Familie: - Rachel (23), die mit einer Magersucht der "Symptomträger" der Familie ist - zwei ältere Schwestern, Clare (31) und Sandy (26) - die Eltern, zwischen denen ständig Streit ist
So beschreibt sich die Familie: In der Familie ist Rachel das rebellische Kind. Wegen ihr habe es ständig Mißstimmung zwischen den Eltern gegeben. Die Mutter macht ihrem Mann viele Vorwürfe und wendet sich bei Schwierigkeiten oft an ihre eigene Familie. In dem Machtkampf zwischen ihren Eltern identifiziert sich Rachel mit ihrem Vater als die Unterlegenen. Sie bezeichnet sich als Kumpel ihres Vaters und behauptet, ihre Mutter werde ihren Vater nie verstehen. Rachel hat schon mehrmals versucht, alleine zu wohnen und selbständig zu werden, was ihr aber noch nicht gelungen ist. Während der Therapie nimmt sie erneut eine eigene Wohnung.
Welche Funktion kommt dem Symptom (G) in System (G) zu? - Überlegung, daß Rachel hungert, um ihrem Vater Ñder Sohn zu bleiben", den er sich immer gewünscht habe. - Das Symptom dient außerdem dazu, im Elternhaus zu bleiben, wo sie ihrem Vater als ÑKumpel" beistehen kann und es ihrer Mutter ermöglicht, an ihre eigene Familie gebunden zu sein. Durch das Hungern verhindert sie, daß sie zu einer Frau wird.
So verlief diese Therapie: Therapiesituation: Die Therapeutin wird durch ein "reflektierendes Team" unterstützt, das die Sitzungen in einem anderen Raum mitverfolgt und der Therapeutin an einigen Stellen schriftlichen ÑHandlungsanweisungen" gibt. Wie das funktioniert wird im folgenden deutlich:
Der erste therapeutische Schritt besteht beispielsweise darin, Bedenken zu äußern, ob der Vater sich ohne Rachel in der Familie wohl fühlen wird. Die Familie wird auf das Dilemma aufmerksam: Entweder ändert sich das System mit allen Konsequenzen oder Rachel hungert weiter. So wird Rachels Problem als Familienproblem umdefiniert. Die Eltern lehnen es deutlich ab, daß jemand (auch nicht Rachel) die Verantwortung für ihre Ehe übernimmt. Der Vater macht deutlich, daß er auch ohne Rachel in der Familie klarkommen kann, so daß Rachel zunächst dieser Verantwortung und Sorge entbunden ist. Es treten erste Besserungen (Gewichtszunahme) ein. Aber Rachel erleidet bald einen Rückfall. Bei einem Familienstreit gerät Rachel wieder in eine Rolle, in der sie als Rebellin gilt. Sie selbst fällt in eine Depression. In der auf den Streit folgenden Sitzung wird deutlich, daß die Eltern es nicht "erlauben" können, daß ihre Tochter unglücklich ist. Rachel wird an dieser Stelle im Sinne einer paradoxen Intervention Ñverschrieben", alles zu tun, um weiterhin möglichst unglücklich zu sein, da sie so durch die Rebellion gegen den Wunsch ihrer Eltern (sie glücklich zu sehen) selbständig werden könnte. Im weiteren Verlauf fällt es Rachel immer schwerer, sich unglücklich zu machen. Die Therapeutin zeigt Verständnis, aber das "Team" treibt die Verschreibung bis ins Extrem. Denn Rachel kann erst selbständig werden, wenn sie es schafft, nein zur Therapie und zu der absurden Aufgabe zu sagen. Diese Rebellion gegen das Therapeutenteam wäre allerdings ein sehr schwerer Schritt, der verkleinert wird, indem Rachel gemeinsam mit der Therapeutin nein zu der Verschreibung sagen kann, weiter unglücklich zu sein. Die Therapeutin stellt sie also vor die Wahl, sich zu verändern oder (wie es die Gruppe verschreibt) zu bleiben wie sie immer gewesen war, nämlich unglücklich. Da es Rachel Angst macht, tun zu können, was sie will und sich nicht mehr an Therapieanweisungen halten zu können, gesteht ihr die Therapeutin das Recht zu, selbst zu entscheiden, wie rasch sie sich verändern wolle. Die Verantwortung für die Veränderung liegt nun bei ihr, was den ersten Schritt in Richtung Selbständigkeit darstellt. Nachdem Rachel der Gruppe getrotzt hatte, machte sie einen Riesenschritt in Richtung Selbständigkeit, der in den letzten Therapiesitzungen weiter gefestigt wird. Die Erfolge zeigen sich auch zu späteren Zeitpunkten als stabil.
Literatur: Peggy Papp: Die Veränderung des Familiensystem. 1989 |